Flipperhaus am Murten Licht-Festival 2017

Elux + Schenkel präsentierten am Murten Licht-Festival 2017 das „FlipperHaus“. Mittels Projektion wurde der Schlossturm in Murten zum Flipperkasten. Alle Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, an der Spielstation ihr Glück zu versuchen und mit jeder Runde ein neues Licht-Bild zu erschaffen. Im Interview erzählen Andreas Schenkel und Elias Thoma, die beiden Köpfe hinter Elux + Schenkel, von der Entstehung des FlipperHauses.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Flipperspiel zu realisieren?

Andreas: Für uns war von Anfang an klar, dass wir eine interaktive Installation machen wollten. Wir wollten die BesucherInnen aktiv einbeziehen und dadurch eine nachhaltige Erfahrung für sie schaffen. Schlussendlich wählten wir die Form des Spieles, da Spielen ein kreativer Prozess und ein Experimentierfeld für soziale Umgangsformen ist. Ich beobachte gerne, wie Menschen mit Sieg, Niederlage, Herausforderung, Wettbewerb und Regeln umgehen und ob sie sich ihrer Emotionen bewusst sind. Ich denke Spielen wird generell sehr unterschätzt, vor allem aber die kreative Kraft und zu schnell in die Kinderschublade gesteckt.

Elias: Und da wir Kinder der 70/80er sind, lieben wir Flipperkästen.

Andreas: Ein Flipperspiel erlaubte uns zudem, spezifische Merkmale des Gebäudes einzubeziehen.

Wieso habt ihr gerade einen Baum als Spielmotiv gewählt?

Andreas: Wir versuchen immer einen Bezug zwischen unseren Installationen und der Örtlichkeit zu erstellen. Während unseren Recherchen stiessen wir auf den Mythos des Murtenläufers und der Murtenlinde.

Elias: Ein Nachfahre der geschichtsträchtigen Murtenlinde steht ganz in der Nähe der Arteplage. Wir wollten den mittelalterlichen Schlossturm mit einer modernen Polygon-Linde vereinen. Die Legende des Murtenläufers und den Lindenzweig als Zeichen des Kriegs-Ende und demnach Friedenssymbol hat uns als politischer Input ebenfalls sehr angesprochen.

Andreas: Neben dem Bezug zu Murten und seiner Mythologie eignete sich der Baum auch als Gestaltungselement für das Spiel sehr gut. Die Baumkrone als Zielelement ermöglichte eine andere visuelle Umsetzung als wir es von herkömmlichen Flipperkästen gewohnt sind. Es geht nicht nur darum Objekte zu treffen und Punkte zu sammeln, sondern mit jedem Treffer ein neues Bild zu erschaffen, was dem Ganzen eine poetische Seite verleiht.

Welche Herausforderungen gab es bei der Programmierung des Spiels?

Andreas: Die eigentliche Programmierung des Spieles stellte keine grosse Herausforderung dar. Die Herausforderungen bestanden mehr in der Gestaltung des Spielablaufes: Wie selbsterklärend können wir das Spiel gestalten? Wie erreichen wir eine reibungslose Übergabe von SpielerIn zu SpielerIn? Wie verhindern wir, dass eine Person das Spiel vollständig in Beschlag nimmt? Schlussendlich hat alles gut geklappt. Das Spiel-Podium wurde geteilt und wir hatten nie die Situation, dass wir jemandem sagen mussten, er solle die Station freigeben.

Was braucht es nebst der Programmierung, bis eine solche Arteplage steht?

Elias: Das FlipperHaus erforderte viel technisches Equipment: zwei Projektoren, einen Computer, ein Soundsystem. Wir entwarfen und bauten extra ein Spieler-Podium mit den zwei Buzzer. Alles diese Komponenten mussten verbunden werden und miteinander „kommunizieren“. Da waren einige Meter Kabel nötig, um die Projektoren im 2. Stock mit dem Podium unten auf der Strasse zu verbinden.

Andreas: Und alles musste wetterfest sein… Deswegen standen die Projektoren im Gebäude. Der Winkel aus dem Fenster auf den Schlossturm war knifflig, um eine saubere Projektion hinzukriegen. Aber alles hat bestens funktioniert während den elf Festivaltagen, jeweils vier Stunden pro Tag, trotz teils sehr schwierigen Wetterbedingungen.

Viel Aufwand steckt in einer solchen Arteplage. Wie konntet ihr das finanzieren?

Elias: Wir haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Dank den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern konnten wir die Kosten decken. Auch haben wir möglichst viel Material recyclet und von früheren Projekten wiederverwendet.

Wie haben die BesucherInnen des Murten Licht-Festival die Arteplage aufgenommen?

Andreas: Sehr gut, wir bekamen durchwegs positives Feedback. Das Spielerpodium war während dem gesamten Festival pausenlos besetzt und es wurde immer gespielt.

Was war euer persönliches Highlight am Murten Licht-Festival?

Andreas: Es war sehr toll zu sehen, dass alle BesucherInnen mitfieberten, auch wenn sie selber nicht spielten. Die verschiedenen Szenen des Spiels waren nicht immer einfach. Es war toll zu sehen, dass Kinder die Herausforderung annahmen und trotz Misserfolg Spass hatten.

Elias: Teil eines Murten Licht-Festivals zu sein und die vielen erfreuten Gesichter beim Spielen am FlipperHaus zu sehen, war wunderbar. Und dass wir es geschafft haben, trotz 9500km Distanz (Andreas lebt in L.A.) dieses  Projekt zu planen und durchzuführen.

 

Elux + Schenkel bedanken sich für die grosszügige Unterstützung bei:

Adrian Kranz, Adrián Schenker, Akos Schmidt, Alexis Jörg, Ana Schuler, Astrid Ritter, Barbara Rosslow, Ben Langsch, Bienenstich Klumpfuss, Christine Jost, Christine Zehnder, Christoph Ritz, Daniel Lozano, Daniel Rüdiger, Diego Wider, Ernst Friberg, Esther Schmutz, Esther Zweifel, Fabio Hurni, Felix Thoma, Flurin Meng, Francis Moret, Gabi Graser, Geri Pfammatter, Hanspeter Ritz, Jakob Leitner, Jean-Pierre Balmer, Jonas Zehnder, Jonay Urbina, Joscha von Rappard, Josua Thoma, Judika Peters, Julia Ritz, Kari Ott, KMUdo.ch, Lukas Schwyn, Manuel Allemann, Mar Serra, Marco Liniger, Martin Stüdeli, Massimo Fiume, Matthias Ritz, Melumanoamea, Mia Hofmann, Michèle Zweifel, Oldiesshop, Oliver Dreyer, Peter Stoller, Pierre de Senarclens, Quartierwerkstatt Viktoria, Regula Mueller, Roman Scherrer, Sabine Zehnder, Sarah Espinoza, Silja Tönz, Silvio Bommeli, Simon Joss, Simon Neuhaus, Spili, Stefanie Christ, Theo Ritz, Thomas Knight, Tom Marti, Verkehrsteiner, Victor Alther, webedu.ch, xorgy ygrox

Elux + Schenkel Projektteam:

Sound: Ben Langsch Planung: Die Planerie Fotograf: Jean-Pierre Balmer Video: Visum Design

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